Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Ein wichtiges Stück im evolutionären Pflanzenpuzzle

06.05.2011
Ein internationales Forscherteam hat das Genom des Moosfarns Selaginella entschlüsselt

Anzeige

Eine internationale Forschergruppe um Dr. Jo Ann Banks von der Purdue University, USA, hat das vollständige Genom eines Moosfarns (Selaginella moellendorffii) entschlüsselt und damit einen großen Fortschritt bei der Charakterisierung von Gefäßpflanzen erzielt.


Mit Dr. Stefan Rensing und Andreas Zimmer waren zwei Forscher von der Fakultät für Biologie der Universität Freiburg beteiligt. Sie steuerten die Klassifizierung und phylogenetische Analyse der codierten Transkriptionsfaktoren sowie die Überprüfung potentieller genomischer Verunreinigungen bei. Ihre Ergebnisse werden in der aktuellen Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science veröffentlicht.

Dieses vom Joint Genome Institute des U.S. Department of Energy sequenzierte Genom wird Aufschlüsse über die evolutionäre Entwicklung der unterschiedlichsten Pflanzenarten in den vergangenen 500 Millionen Jahren ermöglichen. Banks, eine Professorin für Botanik und Pflanzenpathologie, führte eine Gruppe von circa 100 Wissenschaftlern aus elf Ländern an, um das Genom dieses Bärlappgewächses zu sequenzieren. Es existieren nur noch drei Familien und etwa 1.000 Arten von Bärlappgewächsen. Selaginella gehört zu den ältesten lebenden Gefäßpflanzen. Sie ist ein echter Überlebenskünstler. Es gibt sie seit rund 200 Millionen Jahren.

Mit ungefähr 22.300 Genen ist das Selaginella-Genom relativ klein. Wissenschaftler haben auch entdeckt, dass Selaginella die einzige bekannte Pflanze ist, bei der keine Genomverdopplung detektierbar ist. Im Vergleich dieses Genoms mit anderen Genomen konnten die Forscher Gene identifizieren, die nur in Gefäßpflanzen oder nur in Blütenpflanzen vorhanden sind. Diese Gene spielten vermutlich eine wichtige Rolle in der frühen Evolution von Gefäßpflanzen beziehungsweise Blütenpflanzen. Bei vielen dieser Gene sind die Funktionen nicht bekannt, aber wahrscheinlich spielen diejenigen Gene, die nur in Blütenpflanzen vorhandenen sind, eine Rolle in der Entwicklung von Früchten und Samen, die für den Ackerbau wichtig sind.

Selaginella und Arabidopsis, eine in der Forschung häufig untersuchte Pflanze, verwenden verschiedene Gene, um die Erzeugung von so genannten sekundären Metaboliten zu steuern. Diese Moleküle zeichnen für die Erzeugung von Duftstoffen, für Funktionen in der Samenverteilung, für die Verteidigung gegen Pathogene und andere Aufgaben verantwortlich. Außerdem kommen sie in der Herstellung von Arzneimitteln zur Anwendung. Die metabolischen Gene entwickelten sich in Selaginella und in Blütenpflanzen unabhängig voneinander, so dass die von ihnen produzierten Metabolite mit hoher Wahrscheinlichkeit unterschiedlich ausfallen. Somit könnte Selaginella eine enorm wichtige Quelle für neue Arzneimittel darstellen.

Veröffentlichung:
Banks et al. (2011) The Compact Selaginella Genome Indentifies Changes in Gene Content Associated With the Evolution of Vascular Plants. Science May 5th

Kontakt:
Apl. Prof. Dr. Stefan A. Rensing
Fakultät für Biologie/Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: +49 761/203-6974
stefan.rensing@biologie.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: plantco.de/
www.pr.uni-freiburg.de/pm/2011/pm.2011-05-06.107-en

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Lebende Fossilien der Hirnentwicklung
16.05.2012 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

nachricht Neue Details der Genregulation aufgeklärt
16.05.2012 | Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie, Dortmund

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Krebsen auf den Zahn gefühlt


Australische Flusskrebse besitzen einen Zahnschmelz, der dem menschlichen sehr ähnelt

Manche besonders gelungenen Entwicklungen kopiert die Natur bei sich selbst. So hat ein Team aus Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam und der Ben-Gurion Universität im israelischen Beer-Sheva herausgefunden, dass die Zähne des australischen Flusskrebses Cherax quadricarinatus mit einem Schmelz überzogen sind, der dem Zahnschmelz von Wirbeltieren ...

Im Focus: Lebende Fossilien der Hirnentwicklung


Göttinger Wissenschaftler rekonstruieren einen radikalen Umbau in der Evolution des Gehirns

Die Hirnarchitektur der Maus hat sich im Laufe ihrer Evolution möglicherweise kaum verändert. Wie bei den winzigen Urahnen der heutigen Säugetiere, die vor etwa 80 Millionen Jahren lebten, sind auch bei der Maus Nervenzellen in der Sehrinde in einem kleinen Hirnbereich zusammengedrängt.

Bei der Evolution größerer Gehirne ist es zu ...

Im Focus: Frühe Blüte bei lädierter biologischer Uhr


Gerste hat sich durch eine Veränderung der inneren Uhr an nördliche Anbaugebiete mit kurzen Sommern angepasst

Eine in Skandinavien verwendete Sommergerste hat Wissenschaftlern vom Max Planck Institut für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln vom John Innes Centre in Norwich zufolge zwar eine ramponierte innere Uhr, ist aber trotzdem sehr ertragreich. Ihr Trick: Sie dämpft die biologische Zeitmessung durch eine Mutation und kann dadurch auch bei kurzem Tageslicht einen ...

Im Focus: Neue Details der Genregulation aufgeklärt


Der Transkriptionsfaktor P-TEFb reguliert RNA-Polymerase nach einem unerwarteten Muster

Wird genetische Information von der Erbsubstanz DNA abgelesen, übersetzt die RNA-Polymerase II sie in RNA-Moleküle. Ein wichtiger Bereich des Polymerase-Moleküls ist die C-terminale Domäne, kurz CTD. Sie übermittelt der Polymerase Informationen darüber, wie der genetische Code abgeschrieben und weiter verarbeitet werden soll. Dazu heftet das Enzym P-TEFb molekulare Botschaften in ...

Im Focus: Futter für das Schwarze Loch


Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Gerd Weigelt vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn berichtet über die Erforschung eines aktiven Galaxienkerns.

Nahinfrarot-Interferometrie ermöglichte es dem Team, eine ring-förmige Ansammlung von Staub, einen sogenannten "Staubtorus", in der inneren Region des Kerns der Galaxie NGC 3783 aufzulösen. Mit dieser Messtechnik erreicht man eine Winkelauflösung, die so gut ist wie die Auflösung eines Riesenteleskops mit 130 Metern Spiegeldurchmesser. Der aufgelöste Staubtorus bildet wahrscheinlich das ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Downsizing erhöht Marktdurchdringung von Ottomotoren

16.05.2012 | Studien Analysen

Krebsen auf den Zahn gefühlt

16.05.2012 | Materialwissenschaften

New 'metamaterial' practical for optical advances

16.05.2012 | Materialwissenschaften

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Mikrotechnik trifft Medizin – auf der 9. MST-Regionalkonferenz NRW in Dortmund

16.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Soziale Kettenreaktionen und ihre digitale Spuren

16.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Die Ausbreitung von Stress

16.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp